Fraunhofer ENAS sendet gemeinsam mit der TU Chemnitz Promotionsstudenten zum Forschungsaufenthalt nach China

Chemnitz / Shanghai, / 21. Juni 2013

Im Rahmen eines internationalen Graduiertenkollegs arbeiteten vier Doktoranden aus Chemnitz und Berlin während eines dreimonatigen Forschungsaufenthaltes an zwei renommierten Universität in Shanghai.

© Fraunhofer ENAS
Kollegen der Arbeitsgruppe „Thin Film Lab“ mit Frau Professor Qu (5. von rechts), Markus Wöhrmann (3. v.r., TU Berlin) und Ines Hartwig (2. v.r., TU Chemnitz).
© privat
Ruhige Stimmung im Teegarten der Nordpagode in Suzhou.

Ines Hartwig ist seit zwei Jahren Doktorandin an der Technischen Universität Chemnitz. Sie ist im Rahmen des internationalen Graduiertenkollegs „Materials and Concepts for Advanced Interconnects and Nanosystems“ – kurz: IRTG – beschäftigt und untersucht die Haftfestigkeit dünner Schichten. Während ihres Promotionsstudiums nimmt sie die Chance wahr, an einer der angesehensten Universitäten Chinas (Platz 3 im Ranking der Chinese University Alumni Association 2013 sowie eine der weltweit 75 besten Universitäten im Bereich Ingenieurwissenschaften) – der Fudan-Universität in Shanghai – auf ihrem Arbeitsgebiet zu forschen. Gemeinsam mit Markus Wöhrmann, ebenfalls Doktorand im IRTG und an der TU Berlin tätig, ging sie für drei Monate nach China. Daneben arbeiten momentan zwei weitere deutsche Doktoranden des IRTG an der Jiao-Tong-Universität in Shanghai als Gastwissenschafter. Im IRTG kooperiert das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS in Chemnitz mit  der TU Chemnitz, der TU Berlin, dem Fraunhofer IZM sowie der Fudan-Universität und der Jiao-Tong-Universität beide in Shanghai. Aktuell suchen im Rahmen dieses Graduiertenkollegs 18 deutsche und 20 chinesische Doktoranden nach neuen Materialien und Technologien für die Mikro- und Nanoelektronik. Auf deutscher Seite arbeiten sieben Doktorandinnen und elf Doktoranden. Über ihren Auslandsaufenthalt sagt Ines Hartwig: „Unsere Erwartungen waren bereits im Vorfeld hoch. Gespannt war ich auf den fachlichen Erfahrungsaustausch, auf das Kennenlernen einer kulturell bedingt grundlegend anderen Arbeitskultur und auf die Möglichkeit, Kontakte für zukünftige gemeinsame Projekte zu knüpfen.“

Während ihres Forschungsaufenthaltes untersuchten die beiden Wissenschaftler temporären Klebeverbindungen von mehreren Mikrometer dicken Polymerschichten. Diese Polymerschichten werden zur Handhabung dünner Substrate für die 3D-Integration benötigt. Weitere Untersuchungen wurden an der Haftfestigkeit neuer Materialien für die Metallisierung im Back-End-Of-Line-Bereich mit Schichtdicken im Nanometerbereich durchgeführt. Die Arbeitsgruppe „Thin Film Lab“ von Frau Professor Xin-Ping Qu stellte den Forschern für ihre Arbeiten ein DTS-System für 4-Punkt-Biegemessungen an Sandwichproben als professionelles Testgerät zur Verfügung.

Zukünftige Systeme, wie zum Beispiel PCs, Mobiltelefone oder Sicherheits- und Komfortsysteme im Auto, sollen noch kleiner, leistungsfähiger und kostengünstiger als heutige werden. Diese Entwicklung erfordert die Verwendung neuer Materialien und neuer Fertigungskonzepte wie der 3D-Integration von elektronischen Bauteilen. Die Forschungsarbeiten im Rahmen des IRTG tragen zur Entwicklung dieser Materialien und Konzepte bei.
            
Neben der Wissenschaft interessierten sich die beiden Doktoranden auch für die Kultur ihres Gastlandes. Ines Hartwig erzählt: „Natürlich nutzten wir auch die Gelegenheit, um an den Wochenenden – welche die chinesischen Kollegen im Büro verbrachten – das Land und die Kultur etwas näher kennen zu lernen. Rund um das insgesamt recht westlich geprägte Shanghai bieten sich dazu zahlreiche Anlaufpunkte mit noch intakten oder wieder aufgebauten Altstädten und buddhistischen Tempeln an. Am frühen Morgen, bevor der Touristenansturm aus dem ganzen Land einsetzt, kann man hier noch den Nachhall der dem Reich der Mitte nachgesagten inneren Ruhe und der Besinnung auf das Qi spüren.“

Das internationale Graduiertenkolleg veranstaltet für die Doktoranden in Deutschland und China jährlich eine Sommerschule. In diesem Jahr findet sie vom 24. bis 28. Juni 2013 in Shanghai statt. Dazu werden weitere zehn Doktoranden der TU Chemnitz vom Zentrum für Mikrotechnologie sowie den Instituten für Physik und Chemie nach Shanghai fliegen. Zusammen mit den chinesischen Doktoranden präsentieren sie ihre Forschungsergebnisse in Vorträgen. Ende Juli werden auch chinesische Doktoranden im Rahmen des Programmes nach Chemnitz kommen. An der TU Chemnitz und dem Fraunhofer ENAS forschen dann insgesamt sechs Doktoranden für drei Monate und zwei Doktoranden sogar für sechs Monate an ihren aktuellen Themen der Mikro- und Nanoelektronik.

Das internationale Graduiertenkolleg „Materials and Concepts for Advanced Interconnects and Nanosystems“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Chinesischen Ministerium für Bildung gefördert. Das Programm läuft momentan in seiner zweiten Phase noch bis 2015. Der Leiter des Fraunhofer ENAS, Prof. Dr. Thomas Geßner, koordniert das Kolleg auf deutscher Seite. Der chinesische Koordinator ist Prof. Dr. Ran LIU von der Fudan-Universität in Shanghai.