Edle Nanopartikel: Hightech aus leitfähiger Tinte
Eine zentrale Rolle bei der Herstellung solcher gedruckter und leitfähiger Funktionalitäten nimmt die Tinte ein. Sie besteht aus winzigen Edelmetall-Partikeln, wie Silber, Kupfer oder Gold, von 10 bis 100 Nanometern Größe. »Die elektrische Leitfähigkeit der von uns erzeugten Strukturen variiert in Abhängigkeit davon, mit welchen Edelmetall-Partikeln die Tinte angereichert ist. Silber weist beispielsweise im Vergleich zu allen anderen Edelmetallen die höchste Leitfähigkeit auf. Das spätere Einsatzszenario der gedruckten Elektronik und die gewünschten Eigenschaften des Druckprodukts entscheiden über das zu verwendende Substrat, dessen Oberflächenbeschaffenheit, den geeigneten Druckprozess sowie die Wahl der Tinte und damit über die Leitfähigkeit der gedruckten Komponenten«, führt der Wissenschaftler aus.
Während ausgewählte Tinten von spezialisierten Partnern bereitgestellt werden, werden ganz besondere Tinten am Fraunhofer ENAS für die Herstellung von Wasserstoffsystemen gezielt entwickelt. Sie enthalten die Edelmetall-Nanopartikel Platin bzw. Iridiumdioxid und werden zur Herstellung von katalysatorbeschichteten Membranen (Catalyst Coated Membrane, CCM) und Membran-Elektroden-Einheiten (Membrane Electrode Assembly, MEA) verwendet, die in Wasser-Elektrolyseuren und Brennstoffzellen Anwendung finden. »Als Institut verfügen wir hier über ein klares Alleinstellungsmerkmal. Die entwickelten Tinten sind beispiellos und basieren auf einer weltweit einzigartigen Rezeptur«, so Ralf Zichner. Ihre spezifische Zusammensetzung erlaubt es, sie direkt und kontaktlos auf eine Membran zu verdrucken und diese damit zu funktionalisieren.
Hierfür setzen die Forschenden beispielsweise das Inkjet-Druckverfahren ein. Mit diesem entsteht das gewünschte Druckbild in nur wenigen Minuten nach einer vordefinierten Designstruktur – und das völlig berührungslos und mit punktgenauer Präzision. Dabei werden Druckgeschwindigkeiten von bis zu 10 Metern pro Minute bei einer Tropfenausstoßfrequenz von 20.000 feinen Tropfen pro Sekunde erreicht. Ein industrieller Inkjet-Druckkopf mit beispielsweise 1.280 Düsen stößt dabei 25,6 Millionen Tropfen pro Sekunde aus und ermöglicht damit enorme Druckgeschwindigkeiten.
Elektrisch leitfähig sind die so hergestellten Strukturen, zum Beispiel aus Silber, nach erfolgtem Druck zunächst jedoch noch nicht. »Die metallischen Nanopartikel liegen nach dem Druck nebeneinander angeordnet vor. Erst der sich anschließende Trocknungsprozess, der auch als Sintern bezeichnet wird, sorgt durch Erhitzen dafür, dass die Partikel miteinander verschmelzen und ihre endgültige, leitfähige Form erhalten.«
Auf diese Weise können am Fraunhofer ENAS Strukturen mit ultradünnen Schichtdicken von 250 Nanometern bis 30 Mikrometern erzielt werden, weshalb die so erzeugte Elektronik auch Dünnschicht-Elektronik genannt wird »Ein Vergleich macht die winzigen Dimensionen unserer gedruckten Elektronik, die wir realisieren können, deutlich: Ein winziges Bakterium hat beispielsweise eine Größe von 300 Nanometern, ein einzelnes menschliches Haar einen Durchmesser von etwa 50 Mikrometern«, zeigt der Wissenschaftlicher auf.
Leitfähige funktionale Strukturen mit diesen Maßstäben, ist der Forscher überzeugt, werden unsere Zukunft entscheidend mitgestalten. Denn immer kleiner werdende Hightech-Innovationen setzen auf kleine und leichte Schaltungen, die sich flexibel an jeden noch so kleinen Bauraum anpassen müssen. Gedruckte Elektronik ist ein entscheidender Hebel, der diese Entwicklung in den kommenden Jahren maßgeblich prägen wird.
Forschungs- und Entwicklungsleistungen für gedruckte Funktionalitäten
Das Fraunhofer ENAS ist Ihr Ansprechpartner für Forschungs- und Entwicklungsleistungen im Bereich gedruckter, flexibler und hybrider Funktionalitäten und realisiert dank modernster Drucktechnologien elektrisch leitfähige funktionale Strukturen und komplexe Elemente auf nahezu jedem Objekt und jeder Oberfläche – und das unabhängig von Geometrie oder Kontur.
Das Portfolio umfasst das maßgeschneiderte Design elektronischer Komponenten, die Auswahl der passenden Tinte, die Festlegung des optimalen Druckprozesses, die angepasste Substrat-Vorbehandlung, die optimierte Druckschicht-Nachbehandlung sowie die Charakterisierung gedruckter Funktionsschichten und Designs. So verwandeln wir Ihre Visionen in punktgenaue Lösungen für Ihre individuellen Fragestellungen.
Unser Angebot im Detail:
- Anpassung von Drucktechnologien einschließlich der Auswahl von Materialien und Verfahrenstechniken für die Herstellung von Drucklösungen
- Analyse der Verdruckbarkeit beliebiger Tinten mit ausgewählten Drucktechnologien
- Durchführung von Drucktests, wie zum Beispiel
- Reinraum-freier, kontinuierlicher Rolle-zu-Rolle- und Bogenformat-Prozess | Siebdruck, Inkjet-Druck und Dispensen
- Druck auf 3D-Objekte mittels Inkjet-Druck- und Dispenserverfahren
- Wissenstransfer zu bestehenden Drucktechnologien für den Funktionsdruck (Rollen- und Bogendruck), deren Anwendungsbereich und Umsetzung
- Entwurf und Demonstratorfertigung gedruckter Komponenten, wie zum Beispiel
- Katalysatorbeschichte Membranen (CCM)/Membran-Elektroden-Einheiten (MEA), Leiterbahnen, Elektroden, Antennen, Batterien, Sensoren, Widerstände, Transistoren, Kondensatoren, Dioden oder Schutzschichten
- Anfertigen von Produkt- und Schaltungsdesigns einschließlich Prototypenbau von gedruckter, flexibler und hybrider Elektronik
- Charakterisierung gedruckter Funktionsschichten im Hinblick auf deren Oberflächen- und elektrische Eigenschaften, zum Beispiel mittels
- Röntgenfluoreszenzspektroskopie (µXRF), Rasterelektronenmikroskopie (REM)-Analyse, taktiler Profilometrie, 4-Punkt-Messung, Messung der Strombelastbarkeit oder Hochfrequenzeigenschaften
- Charakterisierung gedruckter Komponenten, zum Beispiel
- Katalysatorbeschichter Membranen (CCM)/Membran-Elektroden-Einheiten (MEA), Leiterbahnen, Elektroden, Antennen, Batterien oder Widerstände
- Bestückung von SMD-Komponenten (surface mounted device) auf gedruckten Leiterbahnen
Sie wollen mehr über das Technologieangebot des Fraunhofer ENAS für Druckprozesse als Treiber für leistungsstarke Innovationen erfahren? Dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.