Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme

Nachruf

Am 25. Mai 2016 verstarb plötzlich und unerwartet der Leiter unseres Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme ENAS  

Prof. Dr. Dr. Prof. h. c. mult. Thomas Geßner

im Alter von 61 Jahren.

Prof. Geßner war gleichzeitig in Personalunion Ordinarius der Professur Mikrotechnologie der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik und leitete das Zentrum für Mikrotechnologien der Technischen Universität Chemnitz. Durch seinen aktiven Einsatz wurde das 1979 in der Kooperation von ZMD und Technischer Hochschule Karl-Marx-Stadt gegründete Technikum Mikroelektronik im Jahr 1991 als Zentrum für Mikrotechnologien neu gegründet und zusätzlich auf die Mikrosystemtechnik ausgerichtet.

Prof. Geßners wissenschaftliches Wirken war nicht nur durch die Initiierung neuer grundlagenrelevanter Themen gekennzeichnet, sondern auch durch sein Streben, wissenschaftliche Erkenntnisse in applikationsnahe Forschungen und neue Produkte zu überführen. Konsequenterweise wendete er sich der Fraunhofer-Gesellschaft zu. Die Idee, eine Abteilung des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Chemnitz zu etablieren, wurde 1998 gemeinsam mit dem Institutsleiter Prof. Reichl realisiert. In den folgenden Jahren entwickelte sich aus dieser von ihm geleiteten Abteilung der Institutsteil Chemnitz des Fraunhofer IZM. 2008 erhielt dieser Institutsteil in Chemnitz den Status einer Fraunhofer-Einrichtung. Management und Belegschaft überzeugten unter seiner Leitung mit ihrer dynamischen Entwicklung, so dass das Fraunhofer ENAS seit 2011 als eigenständiges Institut auftritt. Das Fraunhofer ENAS war ein wesentlicher Grundstein für den Aufbau des Smart Systems Campus Chemnitz.

Seit 2005 arbeitete Prof. Geßner in Sachsen, national und international an der Verbindung der Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik und weiteren Komponenten zu intelligenten Systemen, sogenannten Smart Systems. Wie kein anderer steht sein Name für verschiedene Aktivitäten im Zusammenhang mit Smart Systems insbesondere in Europa. Prof. Geßner gehörte nicht nur zu den Gründern von EPoSS, der Europäischen Plattform für Smart Systems Integration, sondern rief ab 2007 die Smart Systems Integration Conference and Exhibition ins Leben. Diese wissenschaftliche Konferenz wurde unter seiner Leitung als Chairman erfolgreich etabliert und zu einer internationalen Leistungsschau weiter entwickelt.

Prof. Thomas Geßner hat im Verlaufe der vergangenen mehr als 17 Jahre herausragende und bleibende Verdienste für die Fraunhofer-Gesellschaft auf allen Gebieten seines Wirkens erworben. Diese Gebiete umfassen das gesamte Spektrum der Tätigkeit eines leitenden Wissenschaftlers in der Fraunhofer-Gesellschaft. Dazu gehören das Einbringen exzellenter wissenschaftlicher Leistungen sowie deren umfassende und wirksame Veröffentlichung, das Wahrnehmen fachlicher und personeller Führungsverantwortung innerhalb des Fraunhofer-Instituts sowie die kontinuierliche Förderung von Talenten und Nachwuchswissenschaftlern. Ein wesentlicher Aspekt war auch die Initiierung und Förderung strategischer Kooperationen mit den verschiedensten Partnern aus Industrie, Wissenschaft und Politik im Sinne der Weiterentwicklung der angewandten Wissenschaften und der effizienten Unterstützung der deutschen Wirtschaft im Rahmen konkreter Projekte und Aufträge.  

Thomas Geßner wurde 1954 in Karl-Marx-Stadt geboren. Er studierte Physik an der Technischen Universität Dresden und promovierte 1983 an der Fakultät für Naturwissenschaften. Seine Habilitation erhielt er 1989 an der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt. Thomas Geßner ist Autor von mehr als 900 Publikationen und meldete 136 Patente in 48 Patentfamilien an. Für seine Verdienste wurde er 2014 mit der Fraunhofer Medaille und der Ehrenmedaille der Technischen Universität Chemnitz geehrt.

Weitere Meilensteine seiner Entwicklung:

Nach seinem Studium arbeitete er zunächst im Bereich angewandte Kernphysik im Zentralinstitut für Kernforschung der Akademie der Wissenschaften in Rossendorf. Daran schloss sich eine Tätigkeit an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt in Kooperation mit dem Zentrum Mikroelektronik Dresden ZMD an. Er leitete mehrere Projekte mit dem Industriepartner ZMD auf den Gebieten der Entwicklung einer Molybdänpolycidtechnologie für 1 Mbit DRAM-Schaltkreise und der Salicidtechnik für 4 Mbit DRAM-Schaltkreise. 1987 übernahm er im damaligen Technikum Mikroelektronik der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt, jetzt Chemnitz, die Leitung der Abteilung Schichtabscheidung und Ionenimplantation. Aus dem Technikum Mikroelektronik der TU Chemnitz gründete er 1991 das Zentrum für Mikrotechnologien und übernahm dessen Leitung. 1993 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor für Mikrotechnologie an die Technische Universität Chemnitz.  Von 1994 bis 1997 wirkte er an der TU Chemnitz als Prorektor für Forschung und 2006 bis 2009 als Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik.

Thomas Geßners Expertise war national und international sehr gefragt. Das widerspiegelt sich in seiner Mitgliedschaft in Gremien der Europäischen Union sowie nationaler und internationaler Einrichtungen. So war er von 1998 bis 2004 Mitglied des Wissenschaftsrates der BRD. Von 2003 bis 2009 engagierte er sich im Senatsausschuss Evaluierung der Leibniz-Gemeinschaft. Zudem wirkte er von 2008 bis 2013 im Ausschuss für Forschungsbauten des Wissenschaftsrates.

Seit 1999 war Prof. Geßner Mitglied der Koordinierungsstelle der Deutschen Wissenschaftsorganisationen (KOWI) in Brüssel. Er war Ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig sowie seit 2002 Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).

Seit 2008 war Prof. Geßner Principal Investigator im Rahmen der japanischen Exzellenzinitiative an der Tohoku Universität Sendai. Im Rahmen des WPI-AIMR (World Premier International Research Initiative - Advanced Institut for Materials Research) etablierte Prof. Geßner eine internationale Forschergruppe an der Tohoku Universität in Sendai. Seit 2012 leitete er gemeinsam mit Prof. Esashi in Sendai das Fraunhofer-Projectcenter “NEMS / MEMS Devices and Manufacturing Technologies at Tohoku University” (erstes Projektcenter der Fraunhofer-Gesellschaft in Japan).

1999 wurde er in China zum Advisory Professor an der FUDAN Universität Shanghai und 2003 an der Universität Chongqing ernannt. Zudem wurde er 2007 Gastprofessor der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking.

Darüber hinaus engagierte sich Prof. Geßner in verschiedenen regionalen, nationalen und internationalen Verbänden sowie in der Industrie. Er unterstützte den Austausch zwischen den verschiedenen Fachrichtungen, auch zwischen Wissenschaft und Kunst.

Mit Prof. Geßner verlieren wir nicht nur unseren engagierten und visionären  Institutsleiter, den international anerkannten Wissenschaftler sondern auch den Menschen Thomas Geßner.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, insbesondere seiner Frau, seinen beiden Kindern und dem von ihm heiß geliebten Enkel.

 

Prof. Thomas Otto, Prof. Stefan Schulz und Prof. Karla Hiller im Namen aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Zentrums für Mikrotechnologien der TU Chemnitz und des Fraunhofer ENAS

 

Im Foyer des Fraunhofer ENAS besteht die Möglichkeit, sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Gern können Sie Briefe für die Familie  an das Institut senden.

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